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Sonntag, 31. Dezember 2017

Eine Spirituose mit Spiritualität

Zu einem Abend "Whisky und Spiritualität" hatten die beiden Kapläne Michael Kapolka und Tobias Heil nach Lingenfeld eingeladen.

Ist Whisky ein „spirituelles Getränk“? Wein aus Trauben mag man ja noch mit Spiritualität in Verbindung bringen. Schon deswegen, weil Wein in der Bibel das Getränk schlechthin ist. Whisky findet man nicht in der Bibel – oder vielleicht doch, zumindest im übertragenen Sinn?

Im Lingenfelder Bistro „It’s Time“ haben sich an diesem vorweihnachtlichen Abend 18 Interessierte eingefunden. Manche haben zuvor noch nie Whisky getrunken. Andere haben mehrere Sorten davon zu
Hause, genießen regelmäßig das Getränk vor allem der Schotten, Iren und Nordamerikaner. Alle sind neugierig: Whisky – was hat das mit Spiritualität zu tun? Vier Whiskys haben die beiden Priester zum
„tasting“ mitgebracht und stellen diese mit viel Hintergrundwissen vor. Es handelt sich um Single Malt Scotch Whiskys, also aus Schottland stammende, aus Gerstenmalz in jeweils einer Brennerei destillierte, unverschnittene Spirituosen.

Tobias Heil und Michael Kapolka sind vor einigen Jahren auf den Geschmack gekommen, während ihres Studiums, durch Freunde und Verwandte, die selbst Whisky lieben. „Es ist ein besonderer Genuss, den ich mir von Zeit zu Zeit gönne“, sagt Heil, der in Speyer Domkaplan ist. Die traditionellen Whisky-Länder, Schottland oder Irland, haben beide (noch) nicht besucht.

Der Legende nach waren es die Kelten in diesen Ländern, die erstmals ein solches Getränk  destillierten. Genannt wurde es schottisch-gälisch „uisge beatha“ („uschkeba“ ausgesprochen). Übersetzt ins Lateinische heißt das „aqua vitae“, im Deutschen „Wasser des Lebens.“ In den
Mönchklöstern wurde das Destillieren ausgebaut und verfeinert – zum Genuss, aber auch als Arznei. Aus „uisge beatha“ wurde im Englischen „Whisky“. Von „Wasser des Lebens“ berichtet indes auch die Bibel, etwa die Johannes-Offenbarung im letzten Buch der Bibel. Tobias Heil: „Dieses Wasser ist ein Bild für die Güte Gottes und für die Fülle von Guten, dass Gott uns schenken wird.“ Der Frohsinn, den dieses „Wasser“ schenkt, und die besondere Kraft, die in dem Getränk liegt, mögen die früheren Genießer an die Bibelworte erinnert haben.

Im Wechsel erläutern Kapolka und Heil die wichtigsten Unterschiede bei diesem Getränk, das über so viele Spielarten und Geschmacksvariationen verfügt wie der Wein. Auf einer Karte Schottlands erläutern sie die schottischen Herkunftsregionen. Herkunft und Ausbau in Holzfässern spiegeln sich in den reichen Aromen wieder.

Vier Sinne werden angesprochen, wenn man bewusst und achtsam Whisky trinkt, erläutert der Germersheimer Kaplan Kapolka. Die Augen sehen sich an den Farben eines Whisky von durchsichtig bis mahagonibraun satt. „Schritt für Schritt kommen wir ihm näher, wenn dann das Riechen, die Nase dran ist.“ Beide Nasenlöcher wollen beim „nosing“ bedacht werden. Getrennt voneinander. Nun der entscheidende Schritt, das Schmecken. Man nimmt den Whisky in den Mund, bewegt ihn dort hin und her. „Mindestens soviele Sekunden, wie er Jahre zählt.“ Abschließend folgt das Nachspüren. „Was löst er in mir aus?“ Es dauert, bis der Geschmack ganz verklungen ist.

„Man genießt den Whisky, wenn man ihn bewusst und entspannt trinkt“, sagt Heil. Sein Kollege ergänzt: „Natürlich könnte man ihn nebenher, ohne besondere Haltung trinken. Aber dann wird man ihm nicht gerecht.“ Und das alltägliche Trinken verhindere auch den Genuss. Michael Kapolka zitiert die heilige Theresa von Avila: „Wenn Fasten, dann Fasten, wenn Rebhuhn, dann Rebhuhn.“ Alles zu seiner Zeit. Genuss und Verzicht seien „keine Gegensätze, sondern wechselseitige Ergänzungen“, das Eine geht ohne das Andere nicht.

So steht der Whisky für ein Menschenleben, das sich bewegt zwischen Anspannung und Entspannung. Und zugleich ist das Getränk Beispiel für das langjährige Werden und Reifen einen Charakters. „Wie der Whisky einmal getrunken wird und so an sein Ziel findet“, sagt Kaplan Heil, „so ist es mit uns: Wir wachsen und reifen, unsere Erfüllung aber finden wir erst in unserem späteren Leben bei Gott.“

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